James Bond – Ein quäntchen Trost – Quantum of solace

Der Film startet mit einer wilden Verfolgungsjagt, welche mit rasend schnell wechselnden Bildern mich fast verrückt gemacht hätte. Es kam mir vor wie in Crank und einem Pulsschlag von 180! Meiner meinung ist Daniel Craig nicht für die Rolle des James Bond geeignet. James Bond war immer ein Gentlemen mit Stil und kecken Sprüchen, der jede Frau ins Bett bekommen hat. Ich denke James Bond sollte kein Muskelberg sein, der action-geladen Verfolgungsjagten sprintet wie Jason Bourne, bei denen er sich völlig körperlich verausgabt und am Ende eher Bruce Willis in Stirb Langsam ähnelt als einem Wodka-Martini trinkendem Chauvinisten. Vielleicht bin ich ja nicht mehr so auf dem neusten modischen stand, jedoch sieht man im aktuellen Einsatz des Doppelnull-Agenten keinen Weltbedrohenden Bösewicht, der ein Geheimlager am Meeresgrund, in einem Berg oder gar im Weltall hat, das am Ende in einem großen Showdown explodiert und die Erde gerettet wird. Beim quäntchen Trost explodiert am Ende ein Hotel! Hallo!? Es ist zwar ein sehr cooles Hotel (eigendlich ein boarding house für Wissenschaftler), das ESO Hotel Cerro Paranal, Atacama Desert, Chile. Aber eben keine fikive gigantische Basis eines Ganoven, der die Welt vernichten oder erpressen will. Auch tritt die MI6 Chefin M viel häufiger auf und benimmt sich ein wenig wie seine Schwiegermutter. Es fehlen auch die Typischen Geheimwaffen, welche Q in seiner Bastelabteilung ala Daniel Düsentrieb austüftelt und dem Agenten vorführt, bevor er sie Einsteckt oder während der nächsten Verfolgungsjagt anwendet. Was ihm bei diesem Film auch schwer fallen dürfte, da er im Film FORD fährt und nicht mit einem Aston Martin, Jaguar oder wenigstens einem getunten BMW über die Straßen heizt.
Leider ist dieser Bond auch nur eine Epsiode, welche wie bei Indiana Jones (Kristallschädel) oder Fluch der Karibik nur eine halbe Geschichte erzählen, damit man in zwei Jahren auch ja den nächsten Teil im Kino anschauen wird. Ich war enttäuscht und schaue mir in Zukunft lieber wieder die “alten” Bond Filme an.

Bei einem James Bond ist auch fast immer der Vorspann richtig gut produziert und macht immer viel Spass. Hier mal einige Zusammengestellt:

James Bond – Casino Royale (2006)
Sehr coole Ornamentik und schöne abstrakte Grafiken


James Bond – The spy who loved me (1977)
Lange vor den IPod Werbespots nur mit silhouetten. Trendsetter!


James Bond – On her majestys secret service (1969)
Auch hier schon ohne digitale Technik. Schwarze Silhouetten vor Farbigen Flächen.


James Bond – Dr. No (1962)
Ich sag nur DISCO!

5 Responses to “James Bond – Ein quäntchen Trost – Quantum of solace »»

  1. Comment by Dirk | 11/10/08 at 01:27

    Warum dieser Bond so ist, wie er ist und warum er dem Zeitgeist entspricht und deshalb irgendwie gut ist? Meiner Meinung nach liegt’s am sich verändernden Rollenbild des Mannes in der Gesellschaft, genauer dem Verlust seiner per Geburt ihm anhaftenden Dominanz. Ein Mann muss darum kämpfen, wenn er gesellschaftlich weiter oben stehen will. Das musste er früher auch, jetzt muss er sich aber ernsthaft auch mit Frauen auseinandersetzen und darf dabei nicht all die testosteron-getriebenen Dinge tun, die er gern tun würde, um sein Ziel zu erreichen. Ein zivilisierter Mann tut das nicht.

    Aber der neue James Bond tut es. Und John McClane in Die Hard 4. Jeder erinnert sich an die Szene wo John die asiatische Bösewichtin in dem Kraftwerkskomplex anfängt zu vermöbeln, das ganze (männliche) Kinopublikum hat geklatscht. Und es ist der gleiche Grund, warum Daniel Craig und der neue Bond so viel Zuspruch kriegen. Die gottgegebene gesellschaftliche Rolle, die Sean Connery und Roger Moore noch auf die Spitze treiben durften, ist nicht mehr Konsens. Das männliche Publikum will sehen, wie ein Mann seine Wut und seinen Zorn auf die Welt, die ihm nicht gehorcht, kraftvoll auslebt. Und wenn er sich dabei selbst zerstört ist das auch gut. James Bond muss keine Mond-Station oder Unterwasserbasis explodieren lassen, um das zu erreichen.

    So viel zum neuen Rollenverständnis. Das entschuldigt aber keinen fehlenden Aston Martin und halbfertige Geschichten ;)

  2. Comment by stefan | 11/10/08 at 08:28

    Danke für deine Meinung, Dirk!
    Jedoch wurden trotzdem meine Vorurteile James Bond gegenüber enttäuscht. Zur Erläuterung folgenden Vergleich. Möchte ich ein Testosteronfeuerwerk sehen – oder zumindest bewußt an der Kinokasse auswählen – dann werde ich mir für Stirb Langsam, Rocky oder Terminator eine Karte kaufen. Dann weiß ich was ich bekomme! Gehe ich in einen Film mit Eddie Murphy erwarte ich keinen Todeskampf und knallharte Nahkämpfe mit Gespringe und Schusswechseln, sondern eher eine Blödelkomödie oder ein Kinderfilm. Man könnte zwar jetzt rückschließen, dass man bei Daniel Craig jetzt immer ein Supercop in bester körperlicher Verfassung und einen Schmerzpunkt von 200% besitzt, aber das will ICH bei einem James Bond nun mal nicht sehen, sondern in einem anderen Film. Klischees sind gut und geben den Menschen orientierung und das trifft es ganz gut: ich bin verwirrt! ;-)

  3. Jan
    Comment by Jan | 11/10/08 at 10:34

    Danke, dass der Martini-trinkende Chauvinist tot ist!

    Der letzte James Bond war der erste, der die Zeiten über die Karikatur hinaus überdauern wird.

  4. Jan
    Comment by Jan | 11/10/08 at 18:22

    Und der Spiegel teilt meine Meinung:
    http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,589079,00.html

  5. Comment by zimtstern | 11/12/08 at 01:47

    Also, falls sie den nächsten retro-mäßig aufmachen möchten, hätten sie hier schon die Musik dafür:
    http://www.aprilwinchell.com/h/mp3/tokyomambo.mp3 von den “Tokyo Panorama Mambo Boys” : )

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